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Fahrradmarkt kommt gut durch die Krise

Branchenumfrage zeichnet optimistisches Bild

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Allianzen: Drei Fachverbände und drei Fachmedien haben jüngst gemeinsam ihre Mitglieder und Leser eingeladen, in einer großen Branchenumfrage ein Bild der Stimmung und Lage im Markt vor dem Hintergrund der Corona-Krise zu zeichnen. Die Antworten sind überwiegend optimistisch.


Eines der Ziele der Umfrage war nicht nur, ein Gesamtbild der Lage der Fahrradbranche zu zeichnen, sondern auch zu vergleichen, wie gut verschiedene Marktsegmente, also Hersteller, Großhändler, Dienstleister und Einzelhändler, im Vergleich durch die Krise gekommen sind. Initiiert wurde die online durchgeführte Umfrage gemeinsam von den Fachmedien Radmarkt, SAZbike und velobiz.de sowie den Verbänden BVZF, VSF und ZIV.


Die Zahl der Umfrageteilnehmer blieb zwar mit etwas über 330 Antworten hinter den Erwartungen der Initiatoren zurück, dennoch lässt die Auswertung der Antworten einige aufschlussreiche Rückschlüsse auf die Situation der Branche zu. Eine nicht unwesentliche Rolle für das Stimmungsbild spielt zudem auch der Umfragezeitraum (29. April bis 11. Mai 2020), also nachdem der Fahrradhandel schon wieder weitgehend geöffnet werden konnte. Gefragt wurde insbesondere nach der Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, der Arbeitsplatzsituation, den Umsatz- und Konjunkturerwartungen sowie nach digitalen Strategien.


Weitgehende Normalität im Einzelhandel

Dirk Sexauer, Geschäftsführer im Verbund Service und Fahrrad (VSF e. V.), beschreibt die Auswertung der Umfrageteilnehmer aus dem Einzelhandel und deren Situation: „In den Fahrradgeschäften wirken sich die Folgen der Corona-Krise direkt und unmittelbar aus. Müssen die Geschäfte schließen, bricht der Umsatz sofort weg. Wenn wieder verkauft werden darf, kann bei entsprechender Nachfrage rasch hochgefahren werden. Insofern waren die schnellen Hilfen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen ein wichtiger Beitrag für den Fahrradhandel, denn die Schließung betraf ausgerechnet das für den Umsatz immens wichtige Frühjahr. Demnach wurden die Soforthilfen auch von mehr als der Hälfte der Unternehmen genutzt (59%), und Kurzarbeit zu rund 40%, während auf Kredite deutlich weniger zurückgegriffen wurde (18%).

Wichtigstes Anliegen musste sein, die kostbaren Fachkräfte in den Unternehmen zu halten. Insofern sind wir sehr froh, dass weniger als 10% der Einzelhändler Mitarbeitende entlassen mussten.


Ein zuversichtliches Signal senden die Unternehmen bezüglich der erwarteten Umsatzentwicklung für dieses Jahr. Unter dem Eindruck der ersten Tage nach Öffnung der Läden erwarten zwei Drittel der Fachhändler (67%) für 2020 einen Umsatz auf Vorjahresniveau oder sogar darüber - übrigens unabhängig von der Unternehmensgröße. Mehr als die Hälfte (54%) antwortete auf die Frage, wann sie mit einer Normalisierung der Absatzsituation rechnen, dass dieser Zustand bereits eingetreten sei.

Dass Corona manche Entwicklung beschleunigt, bestätigen die Antworten der Unternehmen beim Thema digitale Werkzeuge, denn rund 70% der Fahrradhändler wollen sich zukünftig stärker um digitale Angebote für ihre Kunden kümmern, wie zum Beispiel Click&Collect, Dropshipping etc.“


Industrie und Großhandel zeichnen noch ein uneinheitliches Bild

Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes ist mit Blick auf die Antworten von Großhändlern und Herstellern erleichtert, dass nur sehr wenige Unternehmen (3,5%) aus diesem Bereich Arbeitsplätze in Folge der Corona-Krise abbauen mussten. „Für etwa ein Viertel der Firmen hat sich zudem die Auftragslage bereits wieder normalisiert, weitere 45% rechnen mit einer Normalisierung ab dem dritten Quartal dieses Jahres“, so Neuberger weiter.

Kredite (16%) und Soforthilfen (22%) seitens Bund und Ländern wurden nur von einer Minderheit der Unternehmen in Anspruch genommen. Allerdings wurde die Möglichkeit von Kurzarbeit von über 60% der Befragten beantragt. Was die Umsatzentwicklung für 2020 angeht, ist das Meinungsbild noch recht vielseitig, da es für viele Teilnehmer schwierig ist eine Prognose abzugeben. Immerhin eine positive Folge bringt die Corona-Krise aus Sicht des ZIV mit sich: Sie leiste einen Schub für die Digitalisierung. So will sich fast die Hälfte (48%) der Hersteller künftig stärker mit digitalen Angeboten beschäftigen. 30% sehen sich in diesem Bereich bereits gut aufgestellt.


Dienstleister spüren Aufwind für das Fahrrad

Ein besonders heterogenes Feld bilden die Dienstleister im Fahrradmarkt, die seit Juli 2019 in Deutschland vom Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) repräsentiert werden. Unter dessen Dach finden sich Unternehmen wie Messe- und Event-Veranstalter, die von der Corona-Krise immer noch sehr hart getroffen werden, aber auch mobile Fahrradservice-Anbieter, für die die Krise eher zusätzlichen Aufschwung gebracht hat.


Wasilis von Rauch, Geschäftsführer des Bundesverband Zukunft Fahrrad, zieht für die Dienstleister insgesamt jedoch ein vorsichtig optimistisches Fazit: „Corona hat die Dienstleister getroffen, weil mit dem Fahrradhandel der zentrale Vertriebskanal zur Hochsaison schließen musste. Zahlreiche Unternehmen haben Kurzarbeit beantragt (30%) oder Soforthilfen in Anspruch genommen (52%). Arbeitsplätze abgebaut haben 8%, immerhin 11% befürchten, es noch tun zu müssen. Das Fahrrad hat als krisensicherere Verkehrsmittel jedoch auch neue Zielgruppen überzeugt und befindet sich im Aufwind - die große Mehrheit der Dienstleister (69%) erwartet für 2020 insgesamt den gleichen oder höheren Umsatz als 2019 und eine baldige Normalisierung des Absatzes. Ich denke, den Umständen entsprechend ist das ein guter Ausblick.“


Forderungen an Politik und Gesellschaft

Die Corona-Krise zeigt sehr deutlich, dass das Fahrrad ein unentbehrlicher Bestandteil moderner Mobilität ist, schreiben die Intiatoren der Umfrage in einem gemeinsamen Statement. Sehr viele Menschen seien aus dem öffentlichen Nahverkehr auf Alternativen umgestiegen - viele von ihnen aufs Fahrrad. Gerade für sie ist die aktuelle Fahrradinfrastruktur an vielen Orten unzureichend. Passend dazu wurde in der Umfrage deutlich: Händler, Hersteller und Dienstleister fordern unisono vor allem gute Infrastruktur und ein fahrradfreundliches Verkehrsklima als zentrale Voraussetzungen für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Der öffentliche Raum müsse fairer aufgeteilt werden, einige Städte, wie Berlin machen es bereits vor. Nur so könne verhindert werden, dass Corona bedingt noch mehr Menschen ins eigene Auto steigen und der städtische Verkehr zum Erliegen kommt.

Deshalb unterstützen die beteiligten Verbände das Bündnis #MobilPrämieFürAlle und fordern, die Debatte um Förderungen der Autoindustrie breiter zu führen. Es müsse darum gehen, einen gesunden und klimagerechten Verkehr zu fördern. Dazu gehören Bus und Bahn, Fußverkehr und das Fahrrad.


Mehr über die Branchenumfrage und deren Auswertung Branchenumfrage lesen Sie auch in der Juli-Ausgabe von velobiz.de Magazin.





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Quellen: IVW 3. Q. 2019, Print, AWA 2019, Leserumfragen 2015-2019 Market Research Neuhausen, Ø IVW 2019 Online, Verlagsangaben 1/2020 Delius Klasing

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