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70 Jahre GUTE FAHRT – Interview mit Chefredakteur Joachim Fischer

„Der VW Käfer war ein Superstar und Familienmitglied“


Im Jahr 1950 fasste der Bielefelder Delius Klasing Verlag den Entschluss, eine Zeitschrift auf den Markt zu bringen, die sich bewusst auf eine sehr klar definierte Zielgruppe spezialisierte: „GUTE FAHRT – Die Zeitschrift für den Volkswagenfahrer“ wurde eine wichtige Säule für den Verlag und ist dies auch heute noch. Mit der Oktober-Ausgabe feiert GUTE FAHRT ihren 70. Geburtstag. Chefredakteur Joachim Fischer erläutert im Interview das Erfolgsgeheimnis des Special-Interest-Magazins, das sich heute mit den Marken Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda und Seat ausführlich befasst, geht auf die Veränderungen in der Medienbranche ein und betrachtet die Zukunft des Automobils.


1. Lieber Herr Fischer, ist die Spezialisierung von damals auch nach 70 Jahren noch das Erfolgsrezept Ihrer Zeitschrift?

Ganz sicher! GUTE FAHRT verdankt ihren Erfolg der Fokussierung zunächst allein auf die Marke und das damalige Haupt-Produkt namens „Volkswagen“, das im Volksmund schon bald liebevoll Käfer genannt wurde. Der Volkswagen T1-Bulli war zwar mit Erscheinen der ersten GUTE FAHRT im Oktober 1950 schon geboren, brachte aber erst im Laufe der nächsten Jahre das deutsche Wirtschaftswunder ins Rollen. Die Beschränkung war und ist zugleich die Stärke von GUTE FAHRT: Nur sie hatte und hat bis heute den Platz und auch das nötige Wissen, um unter den unabhängigen Automobilzeitschriften mit einer einmaligen Tiefe die Technik und Ausstattungen der einzelnen Modelle so ausführlich vorzustellen sowie in kompetenten Kaufberatungen zusammenzufassen. 

Sicher, heute beobachtet und bewertet GUTE FAHRT nicht wie damals nur zwei Modelle sondern alle angebotenen Automobile von sechs eigenständig unter dem Dach des VW-Konzerns agierenden Marken wie Audi, Seat, Skoda, Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Porsche – die sich aber alle aus dem technischen Baukasten des Mutterkonzerns bedienen. Und den kennt, außer den Ingenieuren natürlich, niemand besser als GUTE FAHRT. So können die Redakteure in ihren Tests fein zwischen technisch vergleichbaren Fahrzeugen differenzieren und den Lesern je nach deren Anspruch kompetente Kaufberatungen für Modelle und Zusatz-Ausstattungen an die Hand geben. Das geht sogar so weit, dass wir in unserer Rubrik Rat & Tat sowie Bauplan schon seit den ersten Ausgaben Lösungsvorschläge für Nachrüstungen oder Hinweise bei technischen Problemen geben. Daran sieht man: Bis heute will die GUTE FAHRT hauptsächlich eines – ihre Leser bestmöglich beraten.     


2. Was waren die Gründe, warum GUTE FAHRT vom Start weg so beliebt bei den deutschen Autofahrern war?

Der „Volkswagen“ war in den fünfziger- und sechziger Jahren der Superstar. Er bereitete der Massenmotorisierung den Weg, war in den meisten Familien Deutschlands nicht nur das erste eigene Auto, sondern ein vollwertiges Familienmitglied. Er wurde gehegt, gepflegt, verbessert – und GUTE FAHRT lieferte jeden Monat ganz konkret die entsprechenden Anleitungen dazu. GUTE FAHRT erklärte anschaulich die Käfer-Technik und das Autofahren an sich, gab Tipps zu Verkehrsrecht, Sicherheit und Versicherung. Für die Allermeisten war das damals alles absolutes Neuland. Der Informationsbedarf war riesig und traf auf echten Gründergeist.


3. In den vergangenen 70 Jahren hat sich auf dem Automobilmarkt natürlich unfassbar viel getan. Aber auch der Medien-Markt und das Medien-Nutzungs-verhalten haben sich stark verändert. Welches sind für Sie die einschlägigen positiven oder auch negativen Veränderungen, mit denen Sie heute als Chefredakteur täglich konfrontiert werden?

Als positiv empfinde ich, dass uns als Redaktion durch unsere Online-Seiten, unsere Auftritte in den sozialen Netzwerken oder auch auf Youtube neue, schnellere Kanäle zur Information unserer Leser zur Verfügung stehen. Neben dem klassischen Print-Heft gibt es die um Bildergalerien und eigene Videos angereicherte GUTE FAHRT-Digitalausgabe für Smartphones und Tablets. Nicht nur die Menge der Automobil-Modelle, über die wir berichten, hat drastisch zugenommen, auch die Zahl der Kanäle, über die wir Informationen erhalten, bewerten und verbreiten. Denn bei aller Geschwindigkeit, mit der heute Informationen verteilt werden, darf und will GUTE FAHRT eines keinesfalls außer Acht lassen: Die journalistische Qualität und Richtigkeit der Information für den Leser.

Hier muss leider auch ein negativer Effekt der medialen Umwälzungen des letzten Jahrzehnts zur Sprache kommen: Es gibt gerade in den sozialen Netzwerken und auf Foren neben den Beiträgen privater, oft gut informierter Enthusiasten auch eine große Zahl von selbsternannten Experten, die völlig ungehindert technischen Unsinn verbreiten können, der manchmal sogar gefährlich ist.  


4. Das Thema E-Mobilität nimmt natürlich auch bei GUTE FAHRT eine immer wichtigere Rolle ein. Wie sehen Sie die Zukunft des Automobils und wie ist der Volkswagen-Konzern in Sachen E-Mobilität aufgestellt?

Die E-Mobilität ist momentan von der Politik als Technologie für den PKW gesetzt. Daran müssen sich alle orientieren. Die Auto-Käufer werden sich künftig eher am hauptsächlichen Einsatzzweck ihres Autos orientieren müssen, weniger an Maximal-Anforderungen wie der Urlaubsreise oder dem Kühlschrank-Transport. In den großen Städten werden in Zukunft eher kleine, lokal komplett emissionsfrei fahrende Automobile gefragt sein. Wer fast zu gleichen Anteilen auf Lang- und Kurzstrecken unterwegs ist, wird dagegen auch auf längere Sicht nicht um Steckdosen-Hybride mit E-Maschine und Verbrenner herumkommen, da das Lade-Netz sowohl in der Stadt als auch in der Fläche derzeit noch viel zu löchrig ist.

Der Volkswagen-Konzern steckt mit seinen sechs Kern-Marken voll im Umbau, kann aber bereits viel vorweisen. Da ist der derzeit als Stadtwagen blendend verkaufende VW E-Up mit seinen Brüdern Seat Mii Electric und Skoda Citigo iV, da gibt es den gerade anlaufenden VW ID.3, der als „Golf“ der E-Mobilität eine neue Ära einläuten soll, da findet man große Reise-E-SUV wie den Audi E-Tron oder auch den rein elektrisch angetriebenen Supersportwagen Porsche Taycan. Dazu gibt es markenübergreifend in fast allen Baureihen Plug-In-Hybrid-Modelle. Aktuell werden gerade die derzeit so beliebten SUV wie etwa der VW Tiguan damit ausgerüstet. Da ist schon für jeden Anspruch etwas dabei. Zudem werden wir natürlich noch geraume Zeit reine Verbrenner in den Preislisten finden. Und die werden immer sauberer und verbrauchsärmer werden. 


5. Mit der Oktober-Ausgabe (ab 25. September am Kiosk) feiert GUTE FAHRT mit ihren Leserinnen und Lesern runden Geburtstag. Welche Themen-Schwerpunkte haben Sie im 70-Jahre-Jubiläumsheft?

Wir präsentieren mit dem neuen VW Golf Variant auf Basis der achten Generation des Millionsellers ein für Volkswagen sehr wichtiges Automobil. Gleiches gilt natürlich für das brandneue, kompakte E-SUV VW ID.4, das ebenfalls Weltpremiere in GUTE FAHRT 10/2020 feiern wird. Bei Audi sehen wir das Facelift des beliebten Q2, Skoda zeigt sein erstes, selbst entwickeltes E-SUV namens Enyaq und Seat stellte uns den überarbeiteten Ateca zum Test auf den Hof. GUTE FAHRT bleibt aber auch seiner Ratgeber-Funktion treu: Zum 70. Geburtstag haben wir eine Mega-Kaufberatung für unsere Leser zusammengestellt: Es geht um Plug-In-Hybride und reine E-Mobile aus dem VW-Konzern. GUTE FAHRT bringt die große Übersicht mit allen wichtigen Daten und Preisen, dazu gibt es sechs Musterkonfigurationen von verschiedenen Modellen für unterschiedliche Ansprüche und Fahrprofile.

Wir begleiten unsere Leser in die automobile Zukunft – und wünschen natürlich allzeit GUTE FAHRT!  




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Quellen: IVW 3. Q. 2019, Print, AWA 2019, Leserumfragen 2015-2019 Market Research Neuhausen, Ø IVW 2019 Online, Verlagsangaben 1/2020 Delius Klasing

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